Günter Unger

HUNNEN STERBEN ANDERS

Fragmente eines Lebens aus zweiter Hand
Löcker Wien, 2016

Veranstaltung: 2016-04-21


Ein Entwicklungs-, Sitten- und Schelmenroman? Zweifellos ein Zeitroman, garniert mit bunten Textabfällen bedeutender Autoren.

Zentrale Figur des Romans ist der Autor sowie Theater- und Filmregisseur Michael Zinter, der sich im Endstadium einer unheilbaren Erkrankung das Leben nimmt, davor noch seinen engsten Freund dazu verpflichtet, seine schriftliche Hinterlassenschaft mit zahlreichen Skizzen für eine Autobiographie aufzuarbeiten und daraus ein Buch zu machen. Im Verlauf dieser „Niederschrift“ kommt unter anderem zutage, dass Zinter vor dem Ende des sowjetkommunistischen Systems östlichen Geheimdiensten, hauptsächlich dem der Staatssicherheit der DDR, Jahre hindurch Informationen über sein berufliches und gesellschaftliches Umfeld geliefert und dafür ansehnliche Honorare bezogen hat. Mit diesem Geld finanziert er Affären mit Frauen, aber auch einen Club für ambitionierte Nachdenker, den er „Die dritte Ludlamshöhle“ nennt.

Zinter, ein Kind der Nazizeit und des unmittelbaren Nachkriegs, irrt viele Jahre durch ein komplexes Dickicht aus hohen Ansprüchen wie auch Selbstgefälligkeiten im Kultur- und Kunstbetrieb seiner Generation, ehe er sich in einen Turm zurückzieht, um darin wieder zu sich selber zu finden und allmählich das Sterben zu lernen.


Günter Unger, geb. 1941 in Eisenstadt, Schriftsteller, Publizist, Regisseur und Ausstellungskurator, Mitglied des PEN-Clubs. Der promovierte Historiker hat neben Sachbüchern Theaterstücke, Erzählungen und lyrische Werke veröffentlicht. Von 1978 bis 1996 fungierte er als Herausgeber der Literaturzeitschrift „wortmühle“. Über 30 Jahre war er Leiter der Kultur- und Literaturabteilung im ORF-Burgenland und hat unzählige Sendungen für Rundfunk und Fernsehen produziert. Er wirkte ferner viele Jahre als Lektor am Theaterwissenschaftlichen Institut der Universität Wien, war Leiter eines internationalen Hörspielzentrums und Geschäftsführer des Symposions europäischer Bildhauer in St Margarethen. 1995 wurde er mit dem Kulturpreis des Landes Burgenland für Literatur und Publizistik ausgezeichnet.

Antwort auf die Frage, warum ich Romane (ein zweiter ist bereits in Arbeit, wird „Das goldene Rad“ heißen und ebenfalls mit dem Ort Eberau in Zusammenhang stehen) schreibe: Weil ich eine unbändige Lust am Fabulieren habe, Schreiben mir eine willkommene Möglichkeit gibt, selber noch Neues in die komplexe und komplizierte Welt, in der wir leben, zu setzen.

Liebe Grüße
Günter