Konzept eines Kommunikations- und Kulturzentrums in Eberau


1) Ausgangslage

Die Marktgemeinde Eberau (1081 Einwohner) gilt als das Zentrum des südlichen Pinkatales, einer sich touristisch und wirtschaftlich seit dem Schengenbeitritt Ungarns kontinuierlich entwickelnden Region. Das südlichste Weinbaugebiet des Burgenlandes besticht durch seine Landschaft, seine Weinberge, den Weinkellern und Gemeinden, die weniger als anderswo durch falsch verstandene Modernisierung um ihr authentisches Flair gebracht wurden. Eberau verfügt über einen Marktplatz mit erhaltener Altbausubstanz, der 2000 behutsam umgestaltet und revitalisiert wurde. Gleich angrenzend befindet sich das Wasserschloss Eberau, seit Jahrhunderten im Familienbesitz der Familie Erdödy. Am Hauptplatz Nr. 27 steht ein Gebäude, das - Ende des 19.Jahrhunderts als Sparkasse errichtet- von 1925 bis etwa 1975 als „Gasthaus Skrapits“ mit Fremdenzimmern betrieben wurde.
In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts erhielt das Gebäude einen Anbau, der einen großen Tanzsaal (später als Kegelbahn genutzt) sowie im oberen Geschoss diverse Wohnungen und Fremdenzimmer umfasste. Nach verschiedenen Besitzerwechseln und Nutzungen (unter anderem als Standort einer Grenzschutztruppe des Österreichischen Bundesheeres) kaufte der Tiroler Egon Puelacher 1993 das Anwesen, um es privat zu nutzen und evtl. als Fremdenpension zu betreiben. Er investierte nachhaltig in die Bausubstanz – u.a. eine neue Heizung im Anbau, sowie in eine komplette Dacherneuerung- und in die Ausstattung der Gästezimmer. Bedingt durch eine schwere Erkrankung konnte er seine Pläne nicht mehr ausführen. Sein Sohn, Josef Puelacher, ist beruflich und privat in Tirol verankert und nicht in der Lage, dieses mit an die 620 Quadratmeter Gebäudefläche doch eher große Anwesen einer sinnvollen Nutzung zuzuführen.
Deshalb stand das Gebäude samt Garten und Scheune zum Verkauf. Der vordere, komplett unterkellerte, Trakt, wo sich die ehem. Gasträume befinden ist renovierungsbedürftig, aber in der Substanz gesund, der hintere Trakt (2 abgeschlossene Wohnungen samt jeweils Küche, Bad und Toilette und insgesamt 4 Gästezimmer plus Nebenräume) ist bezugsfertig, inkl. funktionierender Zentralheizung (Kessel für feste Brennstoffe). Die Kegelbahn( d.h. der 300 qm umfassende Saal) wurde in den letzten 20 Jahren als Depot und Lagerraum genutzt. Nach einer Entrümpelung und einer behutsamen Sanierung ist dieser Saal Kernstück des hier beschriebenen Nutzungskonzeptes.

2) Der Käufer- Dr. Michael Muhr


Seit 2001 Obmann unseres Vereins, hat dieses Haus privat angekauft mit der Absicht dieses ehemalige Gasthaus als regionales Kultur- und Kommunikationszentrum wiederzubeleben.

Der Verein besaß bis jetzt kein eigenes Haus und musste für seine Veranstaltungen jeweils Partner suchen bzw. geeignete Räume anmieten.

3) Die Nutzung des ehem. „Gasthauses Skrapits“ als Kulturzentrum.


Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen der örtlichen Bevölkerung. Dazu zählt auch der so genannte Kulturtourismus. Die Laientheatergruppe Eberau spielt seit einigen Jahren erfolgreich Volkstheater in einem Seitentrakt des Schlosses, wobei mehr als 80 % der Besucher nicht aus Eberau und Umgebung kommen. Es fehlt aber ein kontinuierliches Kulturangebot, das auch für Tagestouristen außerhalb der Sommermonate interessant ist. Dazu kommt, dass eine wie immer geartete Jugendkultur in diesem Raum sehr spärlich gesät ist. Das erfolgreiche Festival „Picture On“ in der Nachbarortschaft Bildein beschränkt sich zum Beispiel auf zwei Tage im August. Eine Belebung des Zentrums von Eberau liegt auch im Interesse der Gemeinde, die dadurch das Angebot für die ihre Gäste erweitern kann. Die Räumlichkeiten des vorderen Traktes sind so beschaffen, dass im ehemaligen Schankraum Klavierabende, kleine Jazzsessions für etwa 40-50 Besucher stattfinden können, im ehemaligen Jagdzimmer dann Autorenlesungen im kleinen Kreis und im großen Saal, Konzerte, Kabarett oder Theateraufführungen für bis zu 160 Personen. Zusätzlich stehen zwei große Räume für Galeriezwecke zur Verfügung. Die Strategie des „Kulturforum Südburgenland“ ist auch eine Einbeziehung der örtlichen Dorfkultur, der Zusammenarbeit mit kreativen Kräften der Region. Stichwort: Talentschmiede.

4) Die Perspektiven


Im Dezember 2008 wurde das Haus angekauft. Da für Förderungen der öffentlichen Hand eine Komplementärfinanzierung von rund 2/3 notwendig ist, der Verein aber keine Schulden machen will, laufen die Renovierungsarbeiten in Eigenregie. Ab Herbst 2010 sollen parallel zu den Renovierungsarbeiten die ersten Veranstaltungen in den vorderen Räumlichkeiten stattfinden. Bis der große Saal fertig gestellt ist, wird es aber noch dauern. Die (renovierten) Gästezimmer oberhalb des Saals stehen bereits jetzt gastierenden Künstlern zur Verfügung . Später sind auch ganze Symposien angedacht, insbesondere mit Kreativen aus dem pannonischen Raum. Dies bietet sich umso mehr an, als Eberau unmittelbar an der ehemaligen ungarischen Grenze liegt, die als solche praktisch nicht mehr wahrnehmbar ist.